Immer mehr Eigentümer fragen sich: Kann ich mein Haus ohne Makler verkaufen? Die Antwort ist ja - aber es erfordert Einsatz, Zeit und Fachwissen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen ehrlich die Vor- und Nachteile des Privatverkaufs und hilft Ihnen bei der Entscheidung, ob dieser Weg für Sie der richtige ist.
1. Haus verkaufen mit oder ohne Makler?
Die Entscheidung zwischen Makler und Privatverkauf hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Beide Wege haben Vor- und Nachteile.
Mit Makler verkaufen
- Professionelle Vermarktung und Exposé
- Marktkenntnisse für optimale Preisfindung
- Zeitersparnis bei Besichtigungen
- Erfahrung bei Preisverhandlungen
- Käufer-Bonitätsprüfung
- Rechtliche Absicherung
- Oft höherer Verkaufspreis
- Maklerprovision (3,57%)
- Weniger Kontrolle über den Prozess
- Qualität variiert stark
Ohne Makler verkaufen
- Keine Maklerprovision
- Volle Kontrolle
- Direkter Käuferkontakt
- Flexible Termingestaltung
- Hoher Zeitaufwand
- Fehlende Marktkenntnis
- Emotionale Verhandlungen
- Rechtliche Risiken
- Besichtigungstourismus
- Oft niedrigerer Verkaufspreis
- Längere Verkaufsdauer
Ehrliche Einschätzung
Studien zeigen: Immobilien, die mit Makler verkauft werden, erzielen im Durchschnitt 10-20% höhere Preise. Die gesparte Provision wird oft durch einen niedrigeren Verkaufspreis mehr als aufgezehrt.
2. Maklerprovision und Maklergebühren
Seit Dezember 2020 gilt das neue Maklerrecht: Bei Wohnimmobilien teilen sich Käufer und Verkäufer die Provision. Das war der Auslöser für viele, über den Privatverkauf nachzudenken.
Maklerprovision nach Bundesländern
| Bundesland | Provision Verkäufer | Provision Käufer |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 3,57% | 3,57% |
| Bayern | 3,57% | 3,57% |
| Berlin | 3,57% | 3,57% |
| NRW | 3,57% | 3,57% |
| Hamburg | 3,125% | 3,125% |
Alle Angaben inkl. 19% MwSt. Provision ist verhandelbar.
Rechenbeispiel: 400.000€
Verkaufspreis: 400.000€
Provision 3,57%: 14.280€
Sie sparen diese Summe beim Privatverkauf
Rechenbeispiel: 600.000€
Verkaufspreis: 600.000€
Provision 3,57%: 21.420€
Aber: Makler erzielen oft höhere Preise
Die echte Rechnung
Wenn ein Makler 10% mehr Verkaufspreis erzielt, ist die Provision mehr als ausgeglichen. Rechnen Sie beide Szenarien durch!
3. Ablauf: Hausverkauf ohne Makler
Wenn Sie sich für den Privatverkauf entscheiden, müssen Sie alle Aufgaben selbst übernehmen, die sonst ein Makler erledigt.
Marktwert ermitteln
Ohne professionelle Bewertung riskieren Sie, zu teuer oder zu günstig anzubieten. Nutzen Sie Online-Bewertungen und Vergleichsportale.
Unterlagen zusammenstellen
Grundbuch, Energieausweis, Baupläne, Wohnflächenberechnung - alle Dokumente müssen vollständig sein.
Exposé erstellen
Professionelle Fotos, aussagekräftige Beschreibung, alle relevanten Fakten. Das Exposé ist Ihre Visitenkarte.
Inserate schalten
ImmobilienScout24, Immowelt, eBay Kleinanzeigen - die großen Portale kosten 50-500€ pro Monat.
Anfragen bearbeiten
Viele Anfragen sind unverbindlich. Filtern Sie ernsthafte Interessenten von Besichtigungstouristen.
Besichtigungen durchführen
Planen Sie viel Zeit ein. Abends und Wochenenden sind gefragt. Einzeltermine sind besser als Massenbesichtigungen.
Verhandlungen führen
Bleiben Sie sachlich. Als Eigentümer neigt man zu emotionalen Reaktionen - das schwächt Ihre Position.
Bonität prüfen
Fordern Sie eine Finanzierungsbestätigung der Bank, bevor Sie andere Interessenten absagen.
Notartermin organisieren
Der Notar erstellt den Kaufvertrag. Sie müssen alle Details selbst mit ihm abstimmen.
Zeitaufwand realistisch einschätzen
Ein Privatverkauf kostet typischerweise 50-100 Stunden Arbeit über mehrere Monate verteilt. Rechnen Sie Ihren Stundensatz gegen die gesparte Provision - lohnt es sich wirklich?
4. Risiken und Fallstricke beim Privatverkauf
Der Hausverkauf ohne Makler birgt Risiken, die Sie kennen sollten. Viele Privatverkäufer unterschätzen den Aufwand und die Komplexität.
Falsche Preisfindung
Zu hoch = keine Käufer, lange Standzeit, Preissenkungen. Zu niedrig = verschenktes Geld. Ohne Marktkenntnis ist die richtige Preisfindung schwierig.
Besichtigungstourismus
Viele Menschen besichtigen aus Neugier, ohne echte Kaufabsicht. Zeitverschwendung und frustrierend. Ein Makler filtert diese vorab.
Emotionale Verhandlungen
Kritik am eigenen Haus fällt schwer zu akzeptieren. Verkäufer werden oft emotional - und erzielen dadurch schlechtere Ergebnisse.
Rechtliche Fallstricke
Offenbarungspflichten, Gewährleistung, Haftung - ohne Fachwissen können kostspielige Fehler passieren.
Käufer-Bonität
Wie prüfen Sie, ob der Käufer zahlungsfähig ist? Ein geplatzter Verkauf nach Monaten ist frustrierend und teuer.
Zeitaufwand
Anfragen beantworten, Besichtigungen durchführen, Verhandeln - alles neben Job und Familie?
Offenbarungspflichten beachten
Als Verkäufer müssen Sie bekannte Mängel offenlegen: Feuchtigkeitsschäden, Schimmel, defekte Heizung, Altlasten usw. Verschweigen kann zu Schadensersatzforderungen führen - auch Jahre nach dem Verkauf.
5. Tipps für einen erfolgreichen Privatverkauf
Wenn Sie sich für den Verkauf ohne Makler entscheiden, helfen Ihnen diese Tipps, die häufigsten Fehler zu vermeiden.
Professionelle Bewertung
Investieren Sie 150-500€ in ein Kurzgutachten. Eine falsche Preisvorstellung kann Sie Zehntausende kosten.
Hochwertige Fotos
Professionelle Immobilienfotos kosten 200-400€ und erhöhen die Anzahl der Anfragen deutlich.
Alle Unterlagen bereit
Vollständige Dokumentation signalisiert Professionalität und beschleunigt den Verkauf.
Interessenten vorqualifizieren
Fragen Sie vorab nach Finanzierungssituation. Keine Besichtigung ohne ernsthafte Kaufabsicht.
Einzelbesichtigungen
Nehmen Sie sich Zeit für jeden Interessenten. Massenbesichtigungen wirken unprofessionell.
Finanzierungsbestätigung fordern
Bevor Sie anderen absagen: Schriftliche Bestätigung der Bank, dass die Finanzierung steht.
Checkliste: Bin ich bereit für den Privatverkauf?
- Ich habe Zeit für 50+ Stunden Aufwand über mehrere Monate
- Ich kann den Marktwert meiner Immobilie realistisch einschätzen
- Ich kann professionelle Fotos und ein Exposé erstellen (oder beauftragen)
- Ich kann Besichtigungen flexibel durchführen (Abende, Wochenenden)
- Ich kann sachlich verhandeln, auch bei unfairen Angeboten
- Ich kenne die rechtlichen Pflichten beim Immobilienverkauf
- Ich kann die Bonität von Käufern beurteilen
6. Fazit: Wann lohnt sich der Verkauf ohne Makler?
Der Privatverkauf kann sinnvoll sein - aber nicht für jeden. Hier eine ehrliche Einschätzung, wann welcher Weg besser ist.
Privatverkauf empfehlenswert wenn:
- Sie viel Zeit und Flexibilität haben
- Sie bereits einen Käufer im Umfeld haben
- Die Immobilie unkompliziert ist (Standardobjekt)
- Der Markt sehr aktiv ist (Verkäufermarkt)
- Sie Erfahrung mit Verhandlungen haben
- Sie rechtliches Grundwissen mitbringen
Makler empfehlenswert wenn:
- Wenig Zeit neben Beruf und Familie
- Komplexe Immobilie (Erbschaft, Scheidung, Altlasten)
- Keine Erfahrung mit Immobilienverkäufen
- Emotionale Bindung an die Immobilie
- Schwieriger Markt (viele Angebote, wenig Nachfrage)
- Rechtliche Unsicherheiten
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Kostenlose Bewertung anfordernHäufige Fragen zum Hausverkauf ohne Makler
Kann ich mein Haus ohne Makler verkaufen?
Ja, Sie können Ihr Haus ohne Makler verkaufen. Der Privatverkauf erfordert mehr Eigeninitiative, spart aber die Maklerprovision von typischerweise 3,57%. Sie benötigen Zeit für Vermarktung, Besichtigungen und Verhandlungen sowie Grundwissen über Immobilienrecht.
Wie viel spare ich beim Verkauf ohne Makler?
Bei einem Verkaufspreis von 400.000€ sparen Sie als Verkäufer ca. 14.280€ (3,57% Provision). Beachten Sie aber, dass ein guter Makler oft einen höheren Verkaufspreis erzielt, der die Provision mehr als ausgleicht.
Wie hoch ist die Maklerprovision beim Hausverkauf?
Seit 2020 teilen sich Käufer und Verkäufer die Provision. In Baden-Württemberg beträgt sie je 3,57% (inkl. MwSt.). In anderen Bundesländern variiert sie zwischen 3,57% und 4,76% pro Partei.
Was sind die Nachteile beim Hausverkauf ohne Makler?
Nachteile sind: hoher Zeitaufwand, fehlende Marktkenntnis (oft niedrigerer Preis), emotionale Verhandlungen, Besichtigungstourismus, rechtliche Risiken bei Vertragsgestaltung und fehlende Käufer-Bonitätsprüfung.
