Das Bieterverfahren ist eine Verkaufsstrategie, bei der mehrere Interessenten gegeneinander bieten. Richtig eingesetzt, kann es den Verkaufspreis deutlich über den ursprünglichen Angebotspreis treiben. Wir erklären, wie es funktioniert und wann es sich lohnt.
Was ist ein Bieterverfahren?
Beim Bieterverfahren wird die Immobilie nicht zu einem Festpreis angeboten, sondern Interessenten geben Gebote ab. Der Verkäufer kann dann das beste Gebot annehmen – muss aber nicht.
Wichtiger Unterschied zur Versteigerung:
- Versteigerung: Verbindlicher Zuschlag an den Höchstbietenden
- Bieterverfahren: Verkäufer entscheidet frei, ob und welches Gebot er annimmt
Vorteil für Verkäufer: Sie behalten die volle Kontrolle und können auch niedrigere Gebote ablehnen, wenn kein Gebot Ihren Vorstellungen entspricht.
Ablauf des Bieterverfahrens
Schritt 1: Vorbereitung
- Professionelle Immobilienbewertung durchführen
- Alle Unterlagen zusammenstellen (Grundbuch, Energieausweis, Grundrisse)
- Mindestgebot oder Startpreis festlegen (meist 10-20% unter Marktwert)
- Spielregeln definieren (Gebotsfrist, Form der Gebote)
Schritt 2: Vermarktung
- Inserat mit klarem Hinweis "Verkauf im Bieterverfahren"
- Besichtigungstermine koordinieren (oft Sammelbesichtigungen)
- Interessenten qualifizieren (Finanzierungsnachweis)
Schritt 3: Gebotsphase
- Interessenten geben schriftliche Gebote ab
- Gebote sind in der Regel nicht bindend
- Frist: Typischerweise 2-4 Wochen nach letzter Besichtigung
Schritt 4: Auswertung und Entscheidung
- Gebote werden verglichen
- Verkäufer wählt das beste Gebot aus
- Nachverhandlungen mit Top-Bietern möglich
- Notartermin mit dem ausgewählten Käufer
Wann lohnt sich ein Bieterverfahren?
Ideale Voraussetzungen:
- Hohe Nachfrage: Mehr Interessenten als verfügbare Immobilien
- Attraktive Lage: Begehrte Viertel oder besondere Lagen (z.B. Seeblick)
- Einzigartige Immobilie: Schwer vergleichbare Objekte
- Verkäufermarkt: Niedrige Zinsen, wenig Angebot
Am Bodensee: Die Region ist prädestiniert für Bieterverfahren – hohe Nachfrage, limitiertes Angebot und viele kaufkräftige Interessenten aus der Schweiz.
Weniger geeignet bei:
- Käufermarkt mit geringer Nachfrage
- Sanierungsbedürftigen Immobilien
- Standardobjekten in schwachen Lagen
- Eilverkäufen (Verfahren dauert 4-8 Wochen)
Vor- und Nachteile des Bieterverfahrens
Vorteile für Verkäufer:
- Höherer Verkaufspreis: Wettbewerb treibt Preise nach oben
- Transparenter Marktwert: Sie erfahren, was Käufer wirklich zahlen
- Schnellerer Verkauf: Interessenten müssen sich schnell entscheiden
- Keine Bindung: Sie können jedes Gebot ablehnen
- Bessere Verhandlungsposition: Mehrere Alternativen in der Hand
Nachteile für Verkäufer:
- Aufwand: Mehr Koordination nötig
- Unsicherheit: Ergebnis ist nicht garantiert
- Mögliche Enttäuschung: Wenn Gebote unter Erwartung
- Rufrisiko: Gescheiterte Verfahren können als "Ladenhüter" wahrgenommen werden
Tipps für ein erfolgreiches Bieterverfahren
1. Den richtigen Startpreis wählen
Ein niedriger Startpreis lockt mehr Interessenten an und erzeugt Wettbewerb. Die Kunst: Nicht zu niedrig (wirkt unseriös) und nicht zu hoch (schreckt ab).
Faustregel: 10-15% unter dem geschätzten Marktwert als Startpreis erzeugt die beste Bieter-Dynamik.
2. Professionelle Vermarktung
- Hochwertige Fotos und Exposé
- Breite Streuung auf allen Kanälen
- Klare Kommunikation der Spielregeln
3. Transparenz schaffen
- Alle Unterlagen vollständig bereitstellen
- Mängel offen kommunizieren
- Fragen zeitnah beantworten
4. Interessenten qualifizieren
Nur ernsthafte, finanzierungsfähige Interessenten zum Bieten zulassen. Das vermeidet Enttäuschungen.
5. Klare Regeln aufstellen
- Gebotsfrist verbindlich kommunizieren
- Form der Gebotsabgabe festlegen (schriftlich, per E-Mail)
- Klarstellen, dass Gebote nicht bindend sind
Rechtliche Aspekte
Sind Gebote bindend?
Nein – beim privaten Bieterverfahren sind weder die Gebote der Interessenten noch die Annahme durch den Verkäufer rechtlich bindend. Erst der notarielle Kaufvertrag ist verbindlich.
Muss ich das Höchstgebot annehmen?
Nein. Als Verkäufer können Sie frei entscheiden:
- Das höchste Gebot annehmen
- Ein niedrigeres Gebot annehmen (z.B. wegen besserer Finanzierung)
- Alle Gebote ablehnen
- Nachverhandeln
Wichtig: Machen Sie keine verbindlichen Zusagen außerhalb des Notartermins! Nur der beurkundete Kaufvertrag zählt.
Bieterverfahren vs. klassischer Verkauf
Klassischer Verkauf:
- Festpreis, Verhandlung mit einzelnen Interessenten
- Verkäufer hat weniger Vergleichsmöglichkeiten
- Oft längere Verhandlungen
Bieterverfahren:
- Wettbewerb unter mehreren Interessenten
- Transparente Preisfindung
- Oft höherer Endpreis bei hoher Nachfrage
Beispielrechnung: So viel mehr kann es bringen
Beispiel: Einfamilienhaus, geschätzter Marktwert 600.000 EUR
Klassischer Verkauf:
- Angebotspreis: 620.000 EUR
- Verhandlung: -5%
- Verkaufspreis: 589.000 EUR
Bieterverfahren:
- Startpreis: 550.000 EUR
- Gebot 1: 590.000 EUR
- Gebot 2: 615.000 EUR
- Gebot 3: 635.000 EUR
- Verkaufspreis: 635.000 EUR
Ergebnis: 46.000 EUR mehr Erlös durch das Bieterverfahren in diesem Beispiel!
Unser Fazit
Das Bieterverfahren ist eine effektive Strategie für Verkäufer in nachfragestarken Märkten. Am Bodensee sind die Voraussetzungen oft ideal. Wichtig ist die professionelle Durchführung – ein erfahrener Makler kann den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem herausragenden Ergebnis ausmachen.
Unser Service: Wir beraten Sie, ob ein Bieterverfahren für Ihre Immobilie sinnvoll ist, und führen es professionell durch – für den bestmöglichen Verkaufspreis.
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